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"Ein Funken Hoffnung" :Gedanken zum Weihnachtsfest 2025

Datum:
25. Dez. 2025
Von:
JW

„Ein Funken Hoffnung!“ So heißt die Lichterfahrt im Advent, die in diesem Jahr wieder stattgefunden hat. Die mit Lichtern geschmückten Traktoren fahren durch viele Dörfer in unserer schönen Vulkaneifel. Diese Aktion unserer Landwirte ist eine großartige Initiative, die Menschen erfreut und zusammenführt, die einem guten Zweck dient und so Hoffnung verbreitet!

Hoffnung – und sei sie noch so klein – hilft uns, schwierige Situationen durchzustehen. Wenn Leid uns trifft, wenn liebe Angehörige mit einer Krankheit ringen müssen, dann gibt es oft ein Auf und Ab. Die Hoffnung, dass es besser wird, dass die Krankheit überwunden wird, die flammt immer wieder auf – wie das Licht einer Kerze, das sich auch durch Windstöße nicht löschen lässt, das sich nicht unterkriegen lässt.

Aber die Hoffnung hat es oft schwer. Sie ist oft verdeckt. Dann kommt sie nicht durch – bei aller Dunkelheit und Unklarheit, die es gibt. So manche Herausforderung stellt sich der Hoffnung in den Weg:

  • Denken wir an das Gefühl der Ohnmacht, wenn wir auf die Kriege und Krisen in unserer Welt schauen – und auf so manche despotischen Machtmenschen, die meinen, nur eigene Interessen durchdrücken zu müssen.
  • Denken wir an die rasanten Fortschritte der Künstlichen Intelligenz, die längst die Mitte der Gesellschaft erreicht hat – und an die Risiken des Missbrauchs der KI, die zu einem Verlust an eigenständigem, kritischem Denken führen kann.
  • Denken wir an Hoffnungslosigkeit in unserem persönlichen Leben: wenn Beziehungen auf der Kippe stehen oder zerbrechen; wenn wir uns fragen, wie es weiter geht; wenn wir uns Sorgen um die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder machen; wenn Krankheiten uns heimsuchen; wenn wir uns von einem geliebten Menschen verabschieden müssen; wenn Leid und Tod jegliche Hoffnung verdunkeln.

Das sind Erfahrungen der Hoffnungslosigkeit. Sie legen sich wie ein dunkler Schleier über unsere Welt und unser Leben.

Aber da gibt es auch Funken der Hoffnung. Ereignisse, die uns wissen lassen: Es ist nicht alle Hoffnung verloren.

  • Wenn sich zwischen Menschen, die miteinander im Streit liegen, neue Wege zueinander auftun und Versöhnung geschieht.
  • Wenn ein Arbeitssuchender eine Stelle findet und sich neue Perspektiven auftun.
  • Wenn inmitten von Krankheit und Leid trotzdem die Liebe zueinander wächst und Verbundenheit entsteht.

Welche Funken der Hoffnung gibt es in unserem Leben? Welche Funken der Hoffnung gibt es in meinem Leben? Wenn wir aufmerksam in unser Leben blicken, dann entdecken wir sicherlich auch solche Funken der Hoffnung. Manchmal kaum erkennbar, oft verdeckt – doch sie sind da. Wir müssen uns nur aufmachen, sie zu finden.

Das bald zu Ende gehende Heilige Jahr mit seinem Leitwort „Pilger der Hoffnung“ lädt uns dazu ein. Und besonders das Weihnachtsfest. Es ist wie ein Fingerzeig. Denn es ist das Fest der Hoffnung schlechthin. Weihnachten macht uns aufmerksam für die Funken der Hoffnung. Ich entscheide mich für die Hoffnung – trotz allem. Ich konzentriere mich nicht auf das, was hätte sein können, sondern auf das Schöne, das vor mir liegt. Ich höre Musik oder lese einen Text, der die Hoffnung nährt. Und wenn ich selbst gerade Schwierigkeiten habe, zu hoffen, weiß ich, dass ich in der Gemeinschaft von gläubigen Menschen geborgen bin, die stellvertretend für mich hoffen.

Aber – ist das wirklich eine begründete Hoffnung? Wenn wir jetzt Weihnachten feiern, dann sagt uns das: Ja! Die Hoffnung, die du hast, ist nicht unbegründet! Sondern unsere Hoffnung hat einen Grund: Die Menschwerdung des Gottessohnes Jesus Christus in unserer Welt! Jesus Christus ist der Grund unserer Hoffnung! In IHM, dem menschgewordenen Gottessohn, werden sich all unsere kleinen und großen Hoffnungen erfüllen!

Schon vor 1700 Jahren wurde das den Menschen klar – und zwar beim Konzil von Nicäa. Vor kurzem ist unser Papst Leo dorthin in die heutige Türkei gereist, um an dieses Jubiläum zu erinnern. Die Bischöfe aus der ganzen Kirche, die sich damals im Jahr 325 in Nicäa versammelten, formulierten gemeinsam den Glauben an Jesus Christus, der bis heute im Großen Glaubensbekenntnis zum Ausdruck gebracht wird: Jesus Christus ist Gottes eingeborener Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit. Er ist Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott. Jesus Christus ist nicht ein Geschöpf Gottes, sondern gehört auf die Seite Gottes. Er ist wahrer Gott und wahrer Mensch.

Um diesen Glauben zu bekennen, feiert die Kirche Weihnachten – bis heute. Dieser Glaube ist auch heute der Grund unserer Hoffnung! Jesus hat wirklich auf dieser Erde gelebt. Er wurde geboren in einem Stall in Betlehem. Schon hier deutet sich die große Hoffnung an, die wir haben dürfen. „In der Armseligkeit der Geburt Jesu zeichnet sich das Große ab, in dem sich geheimnisvoll die Rettung der Menschen vollzieht“ – so hat es Papst Benedikt XVI. einmal geschrieben.

Funken der Hoffnung – die gibt es auch in unserem Leben. Oft versteckt, oft nicht direkt zu erkennen, aber sie sind da – auch in deinem und meinem Leben! Seit Weihnachten wissen wir, von wem diese Funken sind: Jesus Christus! Mit Jesus Christus entzündet Gott selbst einen einmaligen Funken der Hoffnung in seiner Schöpfung. Alle anderen Funken der Hoffnung deuten letztlich auf diesen einen Funken hin. Einen beeindruckenden Funken der Hoffnung habe ich im Gillenfelder Pfarrboten von Weihnachten im Jahr 1931 gefunden. In dieser dunklen Zeit schrieb Pastor Dr. Wilhelm Keller folgendes:

„Bedenkt, dass Eure feste, unwandelbare Grundlage Euer Glaube und die daraus erstehende Hoffnung auf Gott ist und bleiben muss! Gebt Euch keinem Radikalismus hin! Nicht zum Zerstören, sondern zum Aufbau seid Ihr da! Macht auch, dass andere an Euch einen Halt finden und nicht in Verzweiflung zu Grunde gehen. Für uns gibt es keinen Klassenhass! Hass hat noch immer zerstört, entzweit, die Not gerade für die Armen vergrößert! Tretet für den Sieg der Liebe ein! Die hat der Mensch ebenso nötig, wie der Magen das Brot! Auf, kommt nach Betlehem! Da treffen wir uns alle! Da fällt aller Unterschied, da hört alle Entfernung auf! Da sind wir alle gleicherweise zu Hause!“

Weihnachten ist ein Fest der Hoffnung. Die Hoffnung hat als Symbol den Anker. Ein schönes Bild dafür, was Hoffnung heißt: sich verankern in einer Wirklichkeit, die trägt. Sich verankern in Gott. Die Hoffnung bezieht ihre Zuversicht nicht aus Wirtschaftsprognosen, aus Marktanalysen oder Horoskopen. Sondern aus der Treue Gottes, die er uns durch seine Menschwerdung zeigt. Je mehr wir uns in diesen Glauben vertiefen, je mehr wir Jesus kennen lernen, je mehr wir unser Leben ihm anvertrauen, desto tiefer spüren wir: Es ist eine begründete Hoffnung. Denn wir dürfen die gläubige Gewissheit haben, dass in Betlehem derjenige geboren wurde, der uns und der ganzen Welt Erlösung schenkt! In diesem Sinn wünsche ich Ihnen allen, auch im Namen des Leitungsteams, des Seelsorgeteams und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres Pastoralen Raums, von Herzen frohe und gesegnete Weihnachten!

Dekan Dr. Jonas Weller